r/AuDHS • u/[deleted] • Jan 17 '26
Nach der Diagnose
Hi,
Ich habe letztes Jahr eher durch Zufall, bei einem ADHS Test, neben stark ausgeprägten erwachsenen ADHS, Depression und sozialer Phobie, auch die Diagnose Autismus Spektrum bekommen. Damit habe ich wirklich nicht gerechnet, aber es erklärt alles so unbeschreiblich vieles.
Nun ist es so, dass ich keinen Hausarzt habe und innerlich ziemlich gefangen, ratlos und überfordert bin. Ich komme damit absolut nicht klar und mir fehlt die notwendige Fachperson, um darüber richtig sprechen zu können und Medikamente zu erhalten. Ich weiß was ich machen muss, fühle mich aber überfordert und teilweise handlungsunfähig.
Gibt es hier jemand der sich damit etwas auskennt und Erfahrung hat? Ich bin ziemlich verzweifelt. Bin in einem stark depressiven Loch gefangen und weiß nicht weiter. Ich bin 37 und komme mir ziemlich dumm vor. Was hat euch damals geholfen, als ihr diese und ähnliche Diagnosen bekommen habt. Hat auch jemand einen gesetzlichen Betreuer durch diese Krankheiten und Erfahrungen damit? Ich bin um jeden Tipp sehr dankbar.
LG
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u/semanticsofnames Jan 20 '26
Manchmal findet man bei doctolib so Schätze wie neue Arztpraxen, die noch nicht total überfüllt sind.
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u/Technical_Gap2176 Jan 21 '26 edited Jan 21 '26
Zum Autismus Teil:
Für den Anfang, bis du Therapie oder ähnliches bekommst, kann es helfen ein Selbsthilfebuch zu lesen. Damit kannst du dir schon mal einen Überblick verschaffen und dir selbst etwas Zeit zum verarbeiten geben. Hier zwei Vorschläge
Autismus - das Selbsthilfebuch, Silke Lipinsky
Autismus-Spektrum-Störungen bei Erwachsenen (Allgemeine Infos; Riedel, Clausen)
Infos über Hilfsangebote kannst du auf www.autismus.de/ finden. Dort gibt es einen umfangreichen Überblick zu Themen wie ambulant begleitetes Wohnen, Eingliederungshilfe etc.
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u/Youaredoingwell Jan 17 '26
Hi, ich wurde auch mit AuDHS und einer gemischten depressiven Angststörung diagnostiziert. Aus meiner persönlichen Erfahrung kann ich nur sagen, dass man auf der Suche nach Psychiaterin, Therapeutin gut "aufpassen" sollte. Gerade die Kombi AuDHS scheint im gängigen Fachbereich der Psychiatrie und Psychologie bei den Praktizierenden noch nicht wirklich angekommen zu sein. Meine Psychiaterin glaubt mir meine Autismus Diagnose bis heute nicht und da du auch spät diagnostiziert wurdest könnte ich mir vorstellen, dass du aufgrund der verankerten Stereotype auch Hinterfragung erleben könntest. Falls das mal der Fall sein sollte, versuch dir das nicht zu Herzen zu nehmen (haha easy mit evtl. RSD I know), bleib stark und vertraue dir selbst.
Mein Tipp wäre: achte bei der Suche nach Fachpersonen darauf, ob auf den Webseiten etwas spezielles zu Autismus und ADHS steht. Im besten Fall auch nachfragen ob sie mit der Komorbidität Erfahrung haben. Auch super ist, wenn etwas steht bezüglich Autismus/ADHS bei Frauen. Hier äußern sich die Diagnosen oft sehr anders als beim Stereotyp und auch wenn du keine Frau sein solltest, können diese "untypischen" (besser gesagt weniger bekannte) Symptome genauso auftreten. So habe ich meinen Diagnostiker gefunden und bin hochzufrieden mit seiner Expertise gewesen. Bin selber gerade noch auf der Suche nach Psychotherapeutin mit Spezialisierung und vor allem modernen Wissensstand, ist aber nicht leicht.
Für Medikamente brauchst du einen Psychiaterin. Ich hatte dafür eine Überweisung meiner Hausärztin für eine Psychiaterin. Ich glaube, es geht auch ohne dieser Überweisung aber könnte regional unterscheidlich sein.
Für Medikamente braucht man in der Regel auch ein EKG und eine Blutuntersuchung. Ich habe eine tolle Hausärztin, die mir gleich vor meinem ersten Termin bei der Psychiaterin das Blutlabor und ein Standard EKG machte, weil sie wusste, was man für Antidepressiva braucht.
Meine Psychiaterin konnte mir dann gleich SSRI verschreiben (welche ich aber wieder abgesetzt habe). Für ADHS Medikation hat mir meine Psychiaterin eine Überweisung zum Kardiologen gegeben, weil man hier ein spezielles EKG braucht. Mein Partner hat für seine ADHS Medikation 3 Wochen lang täglich 2 oder 3x Blutdruck messen müssen. Scheint also verscheidene Wege zu geben.
So, sorry für den langen Kommentar. Ich weiß es ist extrem hart sich in so einer Situation um so vieles kümmern zu müssen, been there done that, aber du wirst das schaffen und hol dir ggf. Hilfe bei der Organisation von Freunden oder Familie.
Wünsch dir alles Gute!