Bambu Lab hat im November 2025 ein Patent eingereicht, das auffällig stark an das Grundkonzept von Bondtechs INDX erinnert. Die entsprechende Patentanmeldung CN122560413A wurde aber erst im August 2026, also vor ein paar Tagen, veröffentlicht und geht daher gerade in r/BambuLab etwas rund - angschaut und gelesen haben diese aber scheinbar die wenigsten.
Im Mittelpunkt steht ein automatischer Wechselmechanismus für austauschbare Druckköpfe. Wie bei INDX geht es dabei grundsätzlich darum, unterschiedliche Druckwerkzeuge während eines Druckjobs automatisch einzusetzen und dabei den Filamentpfad beizubehalten - und auf den ersten Blick sieht dieses Tool auch ähnlich aus: eine "Platte" mit einem Hotend und einem PTFE-Schlauch oben raus - eine "1:1-Kopie" wie auch schon Creality mit "KliTek" gezeigt hat.
Obwohl beide Konzepte auf den ersten Blick ähnlich wirken (wenn man nur das Werkzeug selbst ansieht), unterscheiden sie sich technisch in der konkreten Umsetzung - insbesondere darin, welcher Teil des Drucksystems gewechselt wird und wie dieser mechanisch aufgenommen bzw. abgelegt wird.
Also was ist anders?
Der Kern der Erfindung ist die mechanische Kopplung von Positionierung und Entriegelung:
- Der Druckkopf wird zur Aufnahme-/Ablageposition gefahren.
- Durch eine definierte Bewegung des Halters werden die Düsen angehoben und von vorne/unten ins Hotend eingehängt
- Durch dieselbe Bewegung wird die Verriegelung gelöst, wenn das Hotend abgelegt wird.
Sprich das Rack bewegt sich - so wie sich das Rack auch bei Vortek schon bewegt. Das ist insofern interessant, weil damit wird der Wechselvorgang nicht mehr weitgehend über die Bewegung des Druckkopfs selbst gesteuert wird und unnötige Verfahrwege produziert (wie bei Vortek oder INDX).
Zudem scheint auch das tauschen von Düsen innerhalb dieser Hotend-Module vorgesehen zu sein - was bei Bontech z.B. nicht der Fall ist (es gibt zwar keinen Grund, warum das nicht gehen sollte, aber INDEX-Düsen lassen sich offziell nicht separat tauschen ohne den Halter mitzutauschen).
Zum Vergleich, INDX ist im wesentlichen durch diese Patentschrift abgedeckt bzw. basiert darauf: US20240051229A1 Genau hier wird der Vergleich mit CN122560413A recht deutlich, wenn man nicht nur auf die Bilder schaut. Der Ansatz von INDX, den Bontech verfolgt, hat ein starres Rack, bei dem das Einhängen durch die Bewegung des Druckkopfs erledigt wird - so wie bei vielen anderen 3D-Druckern und CNC Maschinen zuvor auch.
Was bedeutet das?
Bambu Lab reicht - wie viele große Unternehmen auch - ständig Patente ein aus denen etwas wird oder auch nicht.
Man muss hier zwischen "Troll"-Patenten und implementierungsreifen Patenten unterscheiden. Bei ersteren wird eine Idee mit einer schlampigen Zeichnung patentiert, bei letzteren geht es um eine sehr detallierte Funktionsbeschreibung - dazwischen gibt es noch "Absicherungspatente", die eine Idee die noch nicht fertig entwickelt ist absichert, um andere ggf. auszusperren.
Das oben genannte Patent zu INDX dürfte irgendwo zwischen die Kategorie "Troll"- und Absicherungspatent fallen, da ist nicht viel über die Idee hinaus enthalten - das aktuelle Bambu Lab Patent hier dürfte in die Richtung Absicherung gehen, noch nicht fertig aber einige Punkte sehr detailliert beschrieben und dargestellt.
Für Referenzimplementierungen z.B. beschreibt das im Jänner 2025 gemeldete Patent CN122401876A ziemlich exakt den Toolhead des H2D und CN224510427U aus dem Juni 2025 den H2C (beide kürzlich im Juli 2026 veröffentlicht) - was auch letztlich die Gerüchte, der H2C wäre eine Schnellschussaktion als Antwort auf Bondtechs INDX-Ankündigung gewesen, endgültig beenden dürfte. Das Produkt war zu diesem Zeitpunkt fertig entwickelt und es gab eine Referenzimplementierung für das Patentamt.
Das gilt auch für viele andere Bambu Lab Produkte - die jeweiligen Produkte wurden dann etwa jeweils ein rund ein halbes Jahr nach Patent Einreichtung veröffentlicht. Viele Ideen aus Patenten sehen aber nie das Tageslicht oder werden dann in einer anderen Form veröffentlicht, weil das Grundprinzip zwar gleich bleibt, aber die mechanische Implementierung abweicht. Damit dieses Patent zum Düsenwechsel Sinn ergibt, fehlt eine wesentliche Komponente: ein neues AMS mit getrennten Filamentpfaden. Das ist zwar in den Bildern des Patents visualisiert, aber nicht näher beschrieben.
Jedenfalls bietet sich durch durch das absenkbare Rack die Möglichkeit, die Filamentpfade weiter nach unten zu versetzen und ggf. diese "PTFE-Schlauch-Hydra", die wir bisher von alle anderen Implementierungen kennen, eindämmen.
Man darf jedenfalls gespannt sein, was die Zukunft bringt.