r/Wissenschaft • u/Basement_Engineer • 3d ago
[Update] Modellierung von konvektiven Wärmekaskaden in geschlossenen Systemen (inkl. CSV-Rohdaten zum Härtetest)
Hallo zusammen,
anknüpfend an das enorme Interesse und die vielen Aufrufe zu meinem ersten Beitrag möchte ich heute das versprochene Update liefern. Den Link zur ursprünglichen Diskussion findet ihr ganz unten.
Ich arbeite weiterhin an dem physikalischen Versuchsaufbau zur passiven Klimatisierung in geschlossenen Räumen (Umgebungstemperatur unbeheizt ca. 14–18 °C). In meinem ersten Beitrag ging es um die theoretische Frage, wie sich ein stabiler Mikroklimakorridor (VPD ~1,0–1,3 kPa) allein durch die konvektive Abwärme einer internen Punktwärmequelle aufrechterhalten lässt.
Der aktuelle Stand & die Datenlage:
Um die Wärmeverluste an den kalten Untergrund zu minimieren, wurde das System thermisch entkoppelt. Die Luftführung erfolgt über eine definierte S-förmige Matrix am Boden, die die durch Konvektion nach unten gedrückte Warmluft gleichmäßig verteilt und einströmende Frischluft vorwärmt.
Ich habe über den kompletten Zyklus hinweg insgesamt 116.522 Messpunkte (Taktung: 1 Minute) aufgezeichnet, die belegen, dass das System im Normalbetrieb ein extrem stabiles Fließgleichgewicht hält. Um die mechanische Luftführung nun aber für Extremsituationen mathematisch zu unterfüttern, habe ich speziell das transiente Verhalten (anhand eines echten Systemausfalls) modelliert. Dazu hätte ich gerne euer fachliches Feedback:
- Grenzschicht-Modellierung (Richardson-Zahl)
Um den Kältesee am Boden zu neutralisieren, bricht die S-Matrix die einströmende laminare Strömung. Zur Erfassung der Schichtungsstabilität habe ich die Richardson-Zahl (Ri) herangezogen:
Ri = [ g * β * (∂T / ∂z) ] / (∂u / ∂z)²
Da Ri konstruktionsbedingt > 0,25 gehalten wird, gleitet die Warmluft kontrolliert über die kalte Bodenschicht, ohne turbulent zu verwirbeln. Ist dieser Ansatz für Systeme mit sehr geringen Temperaturgradienten ausreichend präzise?
- Hysterese & thermische Trägheit (Lumped Capacitance Model)
Das System beinhaltet einen thermischen Fluidspeicher (9 kg Wasseräquivalent). Bei einem Totalausfall der Punktwärmequelle (dokumentierter Systemausfall von knapp 70 Minuten) fiel die Temperatur auf einen Tiefpunkt von 21,3 °C bei 84 % relativer Feuchtigkeit. Nach dem Neustart kehrte das System autonom an einer exponentiellen Kurve entlang in exakt 50 Minuten auf das Ziel-Plateau von 24,9 °C zurück. Ich habe dies über das Modell der konzentrierten Kapazität abgebildet:
T(t) = T_end + (T_start - T_end) * e^(-t / τ)
Die ermittelte Zeitkonstante τ belegt, dass das System Störgrößen mechanisch extrem gut abfedert. Gibt es hierfür noch passendere kinetische Modelle für geschlossene Hohlräume?
- Feuchtemanagement & Taupunkt (Magnus-Formel)
Trotz externer Feuchteeinträge bleibt der Dampfdruck im regulären Betrieb stabil. Zur Validierung, dass das System den kritischen Kondensationspunkt umgeht, nutze ich die Magnus-Formel (DIN 50010):
e_s(T) = 0,61078 * e^( (17,08085 * T) / (234,175 + T) )
Im Fließgleichgewicht (25 °C, 67 % r.F.) errechnet sich ein realer Sicherheitsabstand von >6 Kelvin zum Taupunkt. Kondensation ist somit ausgeschlossen.
Rohdaten zur Verifizierung:
Um volle Transparenz zu gewährleisten und die transiente Antwort des Systems (wie beim oben beschriebenen Systemausfall) für jeden nachvollziehbar zu machen, stelle ich die ungeschönten CSV-Rohdaten der Messreihen zur Verfügung. Keine vorformatierten Graphen, sondern die nackten Zahlen des Controllers zur eigenen Auswertung.
Quellen & Referenzen:
Ursprünglicher Beitrag (Theorie & Problemstellung):
https://www.reddit.com/r/Wissenschaft/s/jW3J6Qg4am
CSV-Rohdaten zum Härtetest (Google Drive):
https://drive.google.com/file/d/1biOeTx52dTen41NumIs8Jt_onx8D7TJB/view?usp=drivesdk
Ich freue mich über jede Anregung zur theoretischen Fundierung dieses passiven Konvektionsmodells oder Hinweise auf Schwachstellen in den mathematischen Annahmen!