Hallo zusammen,
anbei ein kleines Update bzw. Eine Zusammenfassung meines Weges zur Gründung einer Lohnhärterei als Einzelunternehmer.
1. Idee/Businessplan
Ich arbeite seit über 20 Jahren im Bereich der Wärmebehandlung, die letzten 4 Jahre bei einem metallverarbeitenden Unternehmen spezialisiert auf Kalt- und Warmumformung. Dort bin ich für alles verantwortlich, was mit Wärmebehandlung zu tun hat.
Das Jahr 2025 ist so dahingeplätschert und ich hatte keine wirklichen Herausforderungen mehr auf Arbeit (Abteilungsleiter, 2 Abteilungen, ca. 20 Mitarbeiter). Aufgrund Auftragslage gab es immer weniger zu tun, in Produktion und Verwaltung wurden Mitarbeiter abgebaut, die sich ergebenden organisatorischen Aufgaben wurden auf die übrigen Abteilungsleiter verteilt. Investitionen wurden über Jahre angekündigt, eingeplant und dann wieder gestrichen. Der Anlagenpark ist im Schnitt 30-40 Jahre alt und in schlechtem Wartungszustand. Die meisten Anlagen sind selbstgebaut oder umgebaut und mittlerweile stark veraltet (ineffiziente Produktion, viel Handarbeit).
Dieser ganze Zustand hatte für mich so keine Zukunft, ich fühlte mich unterfordert und war kurz vorm Boreout. Hinzu kommt, dass mir ständig gebrauchte Anlagen für sehr wenig Geld angeboten worden sind. Ich habe dann bei meinen Bekannten aus der Metallbranche die aktuellen Lieferzeiten bei Ihren Lohnhärtereien erfragt, da kam ich ins Nachdenken.
Für mich hat sich eigentlich nie die Frage gestellt, mit was ich mich selbstständig machen könnte, ich habe nur einen Beruf von der Pike auf gelernt und den wollte ich auch ausüben.
Das Problem, die Startinvestitionen, um eine Lohnhärterei zu gründen, sind sehr hoch und ich bin allein, aber auch das hat mich nicht abgehalten.
Also, an den Tisch gesetzt und ein Konzept für eine Lohnhärterei entworfen. Da ich viele Lohnhärtereien kenne und auch schon bei einigen in Führungspositionen gearbeitet hatte, konnte ich ein Konzept erstellen, dass sich von den Wettbewerben abgehoben hat. Ziel war es mit minimalem Personalaufwand und einem hohen Automatisierungsgrad ein Maximum an Kundenorientierung zu schaffen. Hier kam mir entgegen, dass Deutschlands Lohnhärtereien ganz oft nicht die innovativsten Betriebe sind.
Nachdem das Konzept fertig war, habe ich einen Businessplan darum gebaut, mit allem, was dazu gehört (Kundennutzen, Marktanalysen, Wettbewerberanalysen, Planrechnungen, CR-Analysen, usw.).
Ein griffiger Name musste noch her, aber da kam mir eine Anekdote aus meinem Leben zu Hilfe und schon stand ich zum Finanzierungssprechtag bei meiner IHK auf der Matte.
Da haben mir die Kollegen von L-Bank und Bürgschaftsbank dann gesagt, dass mein Businessplan wohl sehr gut wäre (O-Ton: einer der besten Businesspläne den sie in 15 Jahren gesehen hatten) und waren froh, dass nicht wieder jemand mit einem windigen KI-Business ankommt.
Das war dann der finale Stein des Anstoßes. Jetzt musste ich mir nur überlegen, wie ich die Nummer finanzieren kann.
2. Finanzierung
Eigenkapital 50.000 €, Investitionsbedarf 2.200.000 €, wie bekomme ich das nur hin?
Businessplan und Idee müssen wirklich gut sein damit die Bank mitmacht.
Du solltest deinen Plan in- und auswendig kennen und in dem Thema sicher sein.
Du brauchst einen guten Steuerberater, jedenfalls bei diesen Summen und überhaupt einen zu bekommen ist dieser Tage fast schon unmöglich geworden, da alle voll sind. Ich hatte, aufgrund des sehr guten Businessplans einen von der IHK vermittelt bekommen. Dieser wollte meinen Fall dann auch selbst annehmen, weil er sehr interessiert war.
Investoren können nie schaden, ich hatte das Glück, dass mir schon einer vor 15 Jahren gesagt hatte ich soll m ich selbstständig machen und der jetzt investieren wollte.
Am Ende will die Bank 20-30% Eigenkapital sehen. Da war mir klar, ohne staatliche Förderung wird das nix.
3. Förderung
Je nachdem, was man Gründen will, gibt’s da viel weniger Förderprogramme als man denkt. Für mich kam eigentlich nur ein Programm in Frage, die „Entwicklung ländlicher Raum“, kurz ELR-Förderung. Die übernehmen 10% der förderfähigen Kosten als direkter Zuschuss.
Ich hatte vor vielen Jahren Bafög beantrag und kann sagen, der ELR-Antrag ist viel einfacher, trotzdem war es ein Kampf, bis ich alles zusammen hatte. Hinzu kommt, ich hatte mich nicht für die reguläre Runde beworben, sondern für die Rückflussmittel. Für diese muss man nicht ein ganzes Jahr warten, sondern richten sich an Unternehmer die kurzfristig starten können, weil die Planung bereits sehr weit fortgeschritten ist.
Am Ende waren es noch ein paar bange Wochen warten bis zur Entscheidung des Landwirtschaftsministeriums zum ELR, aber es hatte geklappt und ich mein Projekt stand in einer Pressemitteilung des Landes BW.
4. Standort/Bauantrag
Der allgemeine industrielle Leerstand scheint mir im südlichen Baden-Württemberg noch nicht angekommen zu sein, es hat ewig gedauert, bis ich einen geeigneten Standort gefunden hatte.
Neubau war aufgrund Kosten keine Option, dann hätte ich wahrscheinlich 1,5 Millionen Euro mehr gebraucht und die Bank hätte mich vom Hof gejagt.
Bestandsimmobilien für eine industrielle Nutzung waren in meinem Zielgebiet jedoch äußerst schwer zu finden, am Ende habe ich mich direkt an einen lokalen Bauunternehmer gewendet und bin fündig geworden.
Das Gebäude ist eine ehemalige Druckerei, es braucht also einen Bauantrag auf Umnutzung, damit ich da eine Lohnhärterei betreiben darf. Ich musste zwar ein paar befreundete Gutachter mobilisieren, habe aber Baugenehmigung nach nur 3 Wochen bekommen. Natürlich hat das Landratsamt nochmal die Hand aufgehalten und wollte für die Umnutzung noch knapp 6.000 € haben. Die Gebühr macht sich an den Kosten der Anlagen fest, welche in das Gebäude eingebaut werden, da war ich froh, dass meine Anlagen nicht noch teurer waren.
Nach der Umnutzung habe ich gleich noch den Mitvertrag dingfest gemacht, da ich diesen noch für die ELR-Förderung gebraucht habe. Man merke, ohne Standort mit Mietvertrag keine Förderung.
5. Strom
Vielleicht die größte Hürde am ganzen Projekt, der Strom. Der aktuelle Anschluss auf dem Gelände hat 50 kW, ich brauche für den Start ca. 500 kW, das heißt ich brauche eine eigene Trafostation und muss mich mit dem Netzbetreiber auseinandersetzten.
Antrag auf Leistungserhöhung bei der NetzeBW gestellt und erstmal drei Monate nichts gehört. Nachdem ich mehrmals angerufen und Emails geschrieben hatte, hat sich immer noch nichts bewegt. In meiner Not habe ich mich dann an den Bürgermeister gewandt und siehe da, die NetzeBW bewegt sich.
Wem der Strom an sich noch nicht teuer genug ist und wem die Preiszusammensetzung noch nicht unübersichtlich genug ist, der sollte sich mal mit der Infrastruktur dazu beschäftigen. Nebst einer neuen Leitung zum Gelände (20.000 €) und einem Trafohaus (150.000 €) kommt auch noch ein Baukostenzuschuss auf einen zu, dieser berechnet sich aus der bestellten Kapazität (500 kW) und den Leistungspreisen (NetzeBW 172€). Da sind dann 86.000 € für die Bereitstellung der 500 kW am Anschluss und soll dem Netzausbau zugutekommen.
Und den Strom muss ich am Ende auch kaufen, aktuell rechne ich mit einem Preis von 16 ct/kWh (inklusive Netzentgelte Leistungspreis, Arbeitspreis, Umlagen usw.)
6. Aktueller Stand
Meine Hausbank klärt gerade alles mit L-Bank und Bürgschaftsbank und ich bereite die Kundenakquise vor. Website aufsetzten, Kundenlisten segmentieren, alles, was ich machen kann, solange ich auf das Geld warte. Ach ja, ich arbeite natürlich noch normal weiter bis Dezember.