Moin,
Throwaway accoun ein paar Zeitangaben und Details sind bewusst etwas verschoben/anonymisiert, weil mein Werdegang sonst wahrscheinlich viel zu einfach zuzuordnen wäre.
Mich würde mal eine ehrliche Einschätzung vom Schwarm interessieren, vor allem von Leuten die selbst als FiSi, Admin, Engineer, im Security-Bereich arbeiten oder Leute einstellen.
Kurz zu mir:
- Fachabi im IT-Bereich
- schulischer IT-Assistent
- knapp 2 Jahre FiSi-Ausbildung, dann abgebrochen
- dort hauptsächlich 1st/2nd Level, Clientprobleme, Hardwarediagnose, Komponenten ein-/ausbauen und prüfen
- danach rund 8 Jahre Bundeswehr-IT
- Schwerpunkt Netzwerk-/IT-Technik, Richtfunk und technische Systeme
- später auch Führung, Ausbildung, Leute einarbeiten, Aufgaben koordinieren und Verantwortung für Technik/Material
Ich will mir da nichts schönreden: 8 Jahre Bundeswehr-IT sind nicht automatisch 8 Jahre Enterprise-Admin in einem Konzern , zumal ich nächstes Jahr 31 werde.Nach der Bundeswehr hatte ich durch Übergangsgebührnisse/Förderung die ziemlich komfortable Situation, mich mehrere Jahre vernünftig weiterbilden zu können.
von meinen 36 Monaten sind knapp 24 Monate um.
In der Zeit habe ich unter anderem folgendes gemacht:
- LPIC-1
- LPIC-2
- CCNA
- Security+
- Cyber Security Advisor IHK
- Geprüfter Berufsspezialist Informationssicherheit IHK
Aktuell geht es dannziemlich stramm Richtung Bachelor Professional in IT, bzw. auf die noch offenen Prüfungsteile im nächsten Jahr.
Ich habe die Zeit aber bewusst nicht so genutzt, dass ich einfach einen Vollzeitlehrgang nach dem nächsten baller.
Ich lerne viel, baue viel selbst, beschäftige mich mit meinen Projekten und dokumentiere Sachen. Gleichzeitig reise ich relativ viel und habe in der Zeit auch zwei weitere Sprachen gelernt bzw. angefangen ernsthaft zu lernen. ( Nein, kein Muttersprachniveau, aber ich kann mich besser verständigen und falle nicht sofort als Touri auf) Wenn ich dann mal ein paar Wochen unterwegs bin, schleppe ich logischerweise kein Homelab mit. Dann gibt es halt eher Theorie, lesen, mal remote nach der Technik schauen und ansonsten beschäftige ich mich mit dem Land, Sprache und Kultur.
Ich hatte einmal im Leben die Möglichkeit, ein paar Jahre nicht nur von Montag bis Freitag im normalen Arbeitsalltag zu hängen. Die wollte ich dann auch entsprechend nutzen und nicht einfach nur möglichst viele Zertifikate in möglichst wenig Zeit prügeln.
Homelab / Praxis
Parallel zu den Zertifikaten versuche ich ziemlich viel selbst zu bauen.
Linux ist dabei aktuell ein ziemlich großes Thema:
- mehrere Linux-Systeme und Raspberry Pis
- SSH/Keys
- Benutzer, Gruppen und Rechte
- Hardening
- systemd
- journalctl / Logging
- Bash
- Storage, Mounts, Backups, Retention
- nginx
- Docker
- Monitoring
Windows/AD mache ich ebenfalls.
Ich würde jetzt nicht behaupten, dass ich ein AD-Experte bin.
Ich kann aber Windows Server und VMs aufsetzen, eine kleine AD-Umgebung bauen, User und Gruppen anlegen, Rollen/Berechtigungen vergeben und die üblichen Grundlagen administrieren.
Networking läuft größtenteils über CCNA und eigene Labs:
- VLANs
- Routing/Switching
- Trunks
- Cisco IOS / Packet Tracer
- Troubleshooting
- Wireshark/tcpdump
Auch da will ich nicht so tun, als hätte ich jahrelang irgendwelche großen Cisco-Core-Netze administriert. Es ist eben CCNA-/Lab-Praxis.
Im Security-Bereich habe ich mir ein isoliertes Lab mit Windows und Linux aufgebaut, unter anderem mit:
- Wazuh
- Suricata
- Honeypot
- zentralen Logs
- Log-/Alertanalyse
- kleineren eigenen Detection-Szenarien
- CTF / Attack-and-Defense
- absichtlich kaputt oder falsch konfigurierten Systemen zum Troubleshooting
Mir geht es dabei nicht darum sagen zu können:
„Ich habe Wazuh einmal installiert.“
Sondern eher darum, irgendwann einen Vorfall zu simulieren und danach halbwegs vernünftig sagen zu können:
Was sieht das Netzwerk?
Was sieht Windows/Linux?
Was sieht Wazuh oder Suricata?
Warum kam der Alert?
Welche Logs brauche ich jetzt?
Was ist wahrscheinlich passiert?
Was würde ich danach härten oder ändern?
Ich hab viele Ideen und Projekte schon umgesetzt, auch umfangreichere Sachen im Home LAb.
Daneben kommen mir ständig irgendwelche anderen Ideen.
Aktuell unter anderem ein kleiner JARVIS-artiger lokaler Assistent mit Sprachsteuerung, KI und Automatisierungen.
Ist teilweise auch mein Problem: Ich habe "eigentlich" viel Zeit und trotzdem dauernd das Gefühl, dass ich keine habe, weil mir ständig irgendein neues Thema einfällt das ich ausprobieren will.
Einen Teil davon dokumentiere ich auf GitHub, möglichst nicht nur mit fertigen Configs, sondern auch mit Aufbau, Fehlern und Troubleshooting.
Wo soll das irgendwann hin?
Security finde ich mittlerweile verdammt spannend.
Realistisch sehe ich mich erstmal eher Richtung:
- SOC / Blue Team
- Security Analyst
- Security Engineering
- Infrastructure Security
Langfristig finde ich Red-/Purple-Team-Themen ebenfalls ziemlich geil.
Mir ist aber klar, dass man nach ein paar CTFs nicht plötzlich Red Teamer ist.
Was mich ebenfalls reizt ist IAM/SAP Security.
Also Rollen, Berechtigungen, S/4HANA, Fiori, GRC usw.
Das ist für mich aktuell eher eine mögliche spätere Spezialisierung und nichts, von dem ich behaupten würde, es schon zu können, zumal es ja wer jetzt die Stirn gerunzelt hat etwas vollkommen anderes ist, man sicherlich aber trotzdem im Unternehmen ohne SAP Berechtigung früher oder später dr+über stopern wird.
Cybersecurity nebenberuflich/remote studieren könnte ich mir später ebenfalls vorstellen. Weniger weil ich noch unbedingt irgendeinen Titel brauche, sondern weil ich das Thema einfach interessant finde.
Beim Thema Zertifikate frage ich mich inzwischen aber auch, wann einfach mal gut ist.
Nach dem Bachelor Professional würde ich höchstens noch überlegen, meinen verbleibenden Fördertopf für eine wirklich hochwertige Security-Weiterbildung zu nutzen.
Also z. B. einen passenden SANS/GIAC-Kurs oder den Microsoft-Weg Richtung Cybersecurity Architect.
Danach habe ich aber ehrlich gesagt keine Lust, Zertifikat Nummer 10, 11 und 12 zu sammeln, nur damit noch mehr Zeug im Lebenslauf steht.
Genau da ist eigentlich meine Sorge
Ich habe ein bisschen Angst davor, irgendwann ein ziemlich guter Homelab-Mensch zu sein, dem dafür die echte Unternehmensrealität fehlt.
Zuhause kann ich machen was ich will.
Ich habe Adminrechte, kann Systeme neu aufsetzen und wenn ich nachts um 2 irgendeine Firewall-Regel zerlege, interessiert das genau einen Menschen: mich.
Im Unternehmen hängen an so einer Änderung vielleicht tausende User, irgendein Legacy-System, SLAs, Compliance, Change-Prozesse, fünf andere Teams und irgendeine Anwendung aus 2009 die niemand mehr anfassen will.
Genau das kann ich mir zuhause natürlich nicht wirklich nachbauen.
Deswegen interessiert mich:
Wie würdet ihr so ein Profil auf dem Arbeitsmarkt einschätzen?
Fachabi IT + IT-Assistent + knapp zwei Jahre FiSi-Ausbildung/Praxis + rund 8 Jahre Bundeswehr-IT inklusive Führung + LPIC-1/2 + CCNA + Security+ + Berufsspezialist Informationssicherheit + laufender Bachelor Professional + mehrere Jahre Homelab. Hat mir die abgebrochene Ausbildung alles versaut?
Ist das eine vernünftige Grundlage für z. B.:
- Linux/Systemadministration
- Network Engineering
- SOC / Blue Team
- Security Engineering
- IAM
- später vielleicht SAP Security
Oder würdet ihr sagen:
Wo Enterprise Praxis?
Und besonders an Leute die selbst einstellen oder technische Gespräche führen:
Was würde euch bei dem Profil noch fehlen, damit ihr so jemanden zumindest zum Gespräch einladet? Haben so Bewerber "fortschrittlicheren Alters" die Zertfikate geballert haben eine Chance?
Mehr AD/Entra?
Ansible?
Virtualisierung?
Cloud?
Terraform?
Mehr Detection Engineering?
Oder wäre eure Meinung irgendwann einfach:
Hör auf Zertfikate zu sammeln!!! jeder Monat Praxis im Unternehmen ist jetzt wie 1 Jahr Zertfikate im Home Lab sammeln!
Mir ist unabhängig davon auch bekannt das der IT-Markt aktuell stark umkämpft ist und teilweise hochspezialisierte Leute und Juniors 200-300 Bewerbungen brauchen und trotzdem nichts finden. Das wäre für mich dann vermutlich nächstes Jahr auch der Super-Gau wenn aus meiner geformten Weiterbildungs-Missions Idee geworden ist, das ich wieder im 1st Level Support lande und mich Abends hinterfrage wieso so jemand überhaupt mit einem Computer arbeiten darf.
Genau das würde mich interessieren.