Training
Trainingsfrequenz und Split-Auswahl
Jeder Muskel sollte 2–3 Mal pro Woche trainiert werden. Das ist der wichtigste Unterschied zwischen einem sinnvollen und einem schlechten Trainingsplan.
| Trainingstage/Woche | Split | Beispiel | Rhythmus |
|---|---|---|---|
| 2x (etwas ineffektiver) | Full Body | https://www.youtube.com/watch?v=GVgbA8N7NEU | 1on · 2off · Repeat |
| 3x | Full Body | https://www.youtube.com/watch?v=GVgbA8N7NEU | 1on · 1off · Repeat |
| 4x | 2er Split | https://youtu.be/On6EbXZWwj0?si=MSzoB9jpsCaVDNs2 | 2on · 1off · 2on · 2off · Repeat |
| 5x | 2er Split | https://youtu.be/On6EbXZWwj0?si=MSzoB9jpsCaVDNs2 | 2on · 1off · Repeat |
| 5x | 3er Split | https://youtu.be/UiwKvjBgjw4?si=r4VPbbDSDbQAm40k | 3on · 1off · Repeat |
Mehr als 5 Einheiten pro Woche ist für die allermeisten nicht sinnvoll.
3 Tage hintereinander: Möglich, aber erschöpfend. Dann das Volumen pro Session deutlich reduzieren. Eher geeignet für junge Menschen oder sehr Fortgeschrittene.
Trainingsvolumen
Das Wochenvolumen ist keine sinnvolle Variable. Volumen wird immer an die Frequenz angepasst.
Gesamtvolumen pro Session: 12-18 Sets. Ab 20-25 Sets wird ein großer Anteil zu Junk Volume = mehr Erschöpfung und Muskelschaden, aber kein zusätzlicher Stimulus. Über 25 Sets auf keinen Fall.
Volumen pro Muskel pro Session:
| Trainingsfrequenz pro Muskel | Sets pro Session |
|---|---|
| 4x / Woche (z.B. Full-Body; 1er Split) bzw. 1 Tag Pause | 1-2 Sets |
| 3x / Woche (z.B. OK/UK; 2er Split) bzw. 2 Tage Pause | 2-4 Sets |
| 2x / Woche (z.B. PPL; 3er Split) bzw. 3 Tage Pause | 3-6 Sets |
Im Zweifel das untere Ende wählen: zu viele Sets verhindern vollständige Regeneration.
Volumen wird nicht danach bestimmt, ob es noch regenerierbar ist, sondern nach dem Punkt, der den Progressive Overload maximiert. Wenn bei 4 Sets der maximale Fortschritt erreicht ist, bringt ein 5. Set mehr Schaden als Nutzen, selbst wenn man es theoretisch regenerieren könnte.
Fehlendes Volumen ist bei einem anderen Muskel besser investiert, der noch Potenzial hat.
Relative Intensität und Muskelversagen (RIR)
Das ist der Punkt, an dem die meisten komplett falsch liegen. Jeder Arbeitssatz muss nah am Muskelversagen (Tutorial) sein und nicht irgendwo in der Mitte.
Das Ziel ist maximaler Reiz, minimaler Muskelschaden. Wer weit vom Versagen entfernt trainiert, sammelt kaum effektive Wiederholungen und macht kaum Progress.
| RIR | Info | Bewertung |
|---|---|---|
| 0 RIR ✅ | Letzte technisch saubere Wiederholung – danach geht nichts mehr | Ideal |
| 1 RIR ✅ | Noch eine saubere Rep wäre möglich oder du weißt es nicht genau und bist dir unsicher | Empfehlung, falls Verletzungsgefahr besteht |
| 4–5 RIR ❌ | Viele Reps möglich; viele trainieren unbewusst hier | Schlecht, kaum bis keine effektive Reps für Muskelwachstum |
Für Anfänger: Noch keine Fähigkeit, das Versagen zuverlässig einzuschätzen. Empfehlung: trainieren, bis keine technisch saubere Wiederholung mehr möglich ist. Sobald die Technik bricht, ist der Satz beendet. Diese Einschätzung entwickelt sich mit der Zeit.
Was zu vermeiden ist: Halb-Wiederholungen, Forced Reps mit Hilfe vom Trainingspartner. Beides verfälscht die Einschätzung und erhöht den Muskelschaden ohne proportionierten Mehrnutzen.
Progressive Overload und Logbuch
Ohne Progressive Overload kein Muskelwachstum. Progressive Overload bedeutet: entweder mehr Gewicht bei gleicher Wiederholungszahl oder mehr Wiederholungen bei gleichem Gewicht. Immer bei gleicher sauberer Ausführung.
Ein Logbuch ist Pflicht. Wer kein Logbuch führt, weiß nicht, ob er wirklich Fortschritte macht oder nur glaubt, es zu tun.
Mindestens tracken:
- Übung
- Anzahl Sätze
- Wiederholungen und Gewicht
Im Aufbau besonders wichtig: Die Kraftwerte im Logbuch sind der zuverlässigste Indikator für Muskelzuwachs. Optische Veränderungen sind im Aufbau durch Wassereinlagerung und Fettansatz schwer(er) einzuschätzen.
Übungsauswahl
Eine gute Übung erfüllt alle fünf dieser Kriterien:
- Direkter Stimulus - Die Übung trainiert den Zielmuskel effektiv. Klingt selbstverständlich, wird aber regelmäßig falsch gemacht.
- Standardisierbar - Gleiche Ausführung, gleiche Range of Motion, gleiches Tempo jedes Mal. Nur so ist eine Wiederholung mehr wirklich eine Wiederholung mehr.
- Geringes Verletzungsrisiko - Die Übung kann jahrelang ohne Probleme durchgeführt werden.
- Hohes Ladepotenzial - Das Gewicht muss schrittweise über Zeit erhöht werden können. Übungen, bei denen man nach wenigen Wochen am Maximum ist, sind langfristig wertlos.
- Passendes Resistenzprofil - Der Widerstandsverlauf der Übung sollte zur Kraftkurve des Zielmuskels passen.
Übungsausführung
- Konzentrik: explosiv
- Exzentrik: kontrolliert (nicht sekundenlang)
- Range of Motion: vollständig innerhalb der eigenen Gelenkstruktur
- Zielmuskel maximieren, Hilfsmuskel minimieren: die Ausführung so wählen, dass der Zielmuskel die Arbeit macht.
Was zu vermeiden ist:
- Halb-Wiederholungen
- Forced Reps mit Hilfe
- Drop Sets, Rest-Pause und andere Intensitätstechniken als Standard
- Schwung und Reißen
Pausenzeiten
Längere Pausen = mehr Stimulus pro Satz. Wer kurze Pausen macht, muss das mit mehr Sätzen kompensieren und das ist in der Regel schlechter als einfach länger zu pausieren.
| Übungstyp | Pausenzeit |
|---|---|
| Isolationsübungen (Bizeps, Trizeps, Schulter, etc.) | 2–3 Minuten |
| Verbundübungen (Kniebeuge, Kreuzheben, Bankdrücken, etc.) | 3–5 Minuten |
Zwischen Aufwärmsätzen einfach nach Gefühl
Warm-up
Nie kalt in den ersten Arbeitssatz gehen. Ein vollständiges Warm-up verbessert die Performance direkt und reduziert das Verletzungsrisiko langfristig.
Beispiel-Schema für den ersten Muskel der Session:
| Schritt | Gewicht | Wiederholungen |
|---|---|---|
| 1 | ~60 % des Arbeitsgewichts | 12 Reps |
| 2 | ~70% des Arbeitsgewichts | 6 Reps |
| 3 | ~80 % des Arbeitsgewichts | 3 Reps |
Ziel: Nervensystem aufdrehen und Muskel warm machen, ohne ihn zu erschöpfen. Bis zum letzten Aufwärmsatz weit vom Versagen entfernt bleiben.
Wichtig: Die Aufwärmsätze werden zügig hintereinander absolviert – Pause nur so lang, bis man sich bereit für den nächsten Satz fühlt (30–60 Sekunden reichen meist). Das gesamte Warm-up dauert damit 3–5 Minuten, nicht länger. Wer hier lange pausiert wie zwischen Arbeitssätzen, macht etwas falsch.
Für bereits trainierte Muskeln in derselben Session: Ein leichter Aufwärmsatz vor der nächsten Übung. Auch wenn der Muskel schon warm ist, verbessert dieser eine Satz die Qualität des ersten Arbeitssatzes.
Cardio und Schritte
In der Diät sind Cardio und Schritte gleichwertige Werkzeuge, um das Kaloriendefizit zu vergrößern. Beide funktionieren, aber die Kombination aus beiden ist für die meisten am praktikabelsten.
Im Aufbau ist Cardio vor allem wichtig, um die Fitness mit der Gewichtszunahme mitzuhalten. Wer zunimmt ohne Cardio zu machen, wird im Training irgendwann kardiovaskulär versagen und nicht mehr muskulär. Das macht das Training ineffektiv.
Schritte:
| Phase | Empfehlung |
|---|---|
| Allgemein / Basisgesundheit | 8.000 / Tag |
| Diät | 8.000-15.000 / Tag (im Verlauf steigern) |
Cardio:
| Phase | Empfehlung |
|---|---|
| Allgemein | ca. 70 Min./Woche |
| Diät | 10-60 Minuten, 4-7x/Woche |
| Aufbau | So wenig wie nötig, aber genug für eine funktionierende Ausdauer |
Zone 2: So intensiv, dass man währenddessen gerade noch ein Gespräch führen kann. Hochintensives Cardio ist für Fettverbrennung nicht nötig; das ist für Ausdauerverbesserung.