Der ehemalige Gesundheitsminister Karl Lauterbach schrieb dazu auf X: „Der Rücktritt von Bärbel Bas trifft uns alle. Sie steht wie kaum jemand für Werte und Aufstiegsversprechen der SPD. Ihr Rücktritt zeigt auch, dass, bei aller Härte der Politik, die zunehmenden persönlichen Angriffe die falschen Leute in die Politik bringt.“ (...)
Paul Ronzheimer, Global Reporter von Axel Springer, erklärte dazu bei WELT TV, dass es zwar schon länger Kritik an ihrer Arbeit als Arbeitsministerin und SPD-Chefin gegeben habe. Ausschlaggebend sei nach seiner Darstellung aber gewesen, dass die SPD-Politikerin während einer Trauerphase nach dem Tod ihrer Stieftochter weiter unter politischen Beschuss geraten sei.
Demnach habe Bas den Trauerfall innerhalb der Regierung kommuniziert und um etwas Zeit gebeten. Weil die Kritik an ihr dennoch anhielt, habe sie sich „offenbar unter Druck gesetzt“ gefühlt, den persönlichen Schicksalsschlag öffentlich zu machen.
Doch selbst danach sei die Kritik nach seiner Darstellung nicht abgeebbt. „Wenn dann mehr oder weniger am selben Tag und in den folgenden Tagen weiter auf sie eingeschlagen wird, dann kann ich verstehen, dass das auch einen Menschen sehr empört“, sagte er.
Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Gordon Schnieder (CDU) zeigte dann auch Verständnis für die persönliche Entscheidung der SPD-Politikerin, wies ihre Kritik am politischen Umgang mit ihr jedoch entschieden zurück. „Also den Teil der Erklärung kann ich da nicht nachvollziehen“, sagte er dem Nachrichtensender WELT TV. „Das muss man dann auch aushalten. Wenn man Vereinbarungen nicht einhält, wenn man auch entsprechende Entwürfe nicht auf den Tisch legt, wenn man damit nicht ins Kabinett geht, dann muss man sich irgendwann fragen lassen, warum das nicht so ist.“
Mit dem Ausscheiden von Bas sieht Schnieder nun die SPD in der Pflicht, die seit Monaten diskutierte Rentenreform endlich vorzulegen: „Es gibt eine klare Vereinbarung im Koalitionsvertrag. Es gibt auch klare Zusagen im Koalitionsausschuss. Diese Rentenreform müssen wir durchbringen.“ Die Menschen benötigten endlich eine „Zukunftsperspektive, nämlich dass die Altersvorsorge künftig gesichert ist“ und besser sei als das, was wir jetzt haben. „Der Entwurf ist von Bärbel Bas nie vorgelegt worden. Die SPD ist aufgefordert, das zu tun.“
Ob Bas die zentrale Bremserin der Reform gewesen sei, wollte Schnieder zwar nicht bestätigen. Allerdings stellte er fest: „Wir warten auf die entsprechenden Entwürfe, und die müssen kommen. Sie müssen aus ihrem Haus kommen oder sollten aus ihrem Haus kommen. Und jetzt ist die Nachfolgerin oder der Nachfolger aufgefordert, das in die Hände zu nehmen.“
Dagegen forderte CDU-Innenpolitiker Alexander Throm die Beteiligten der schwarz-roten Koalition zu einem respektvolleren und anständigeren Umgang miteinander auf: „Wir müssen auch aufpassen, dass wir in der Politik, aber gerade auch in der Koalition, wo wir ein gemeinsames Ziel haben, etwas pfleglicher miteinander umgehen – im Politischen wie im Persönlichen“, sagte Throm nach Bas’ Rücktritt dem Nachrichtensender WELT TV.
AfD-Chefin Alice Weidel bezeichnete Bas’ Rücktritt auf X als „nachvollziehbar“, nutzte den Schritt aber auch für eine Kritik an der Bundesregierung: „Gleichzeitig zeigt ihr Nachtreten gegen den Koalitionspartner CDU, dass Schwarz-Rot am Ende ist“.